Berliner Kritiken

Literarische Installation in der Capribar

Wer ohne Herz ist, hat keine Chance in der Capribar. Schwül ist es, die leicht bekleideten Capriboys und -girls warten auf Kundschaft, auf uns. Am Tresen schenkt "Tiger" im Lack-Look Limoncello di Capri aus.

Kostet drei rote Plastikherzen, ebenso viele werden fällig für einen Engtanz mit ihm.  Das ist hier die Währung und die lässt sich nachkaufen bei der Chefin, gegen harte Euros. Madame übrigens, so erfährt man bei Tuchfühlung mit Candy, halte sich einen blutjungen Geliebten. Es geht um nichts als die Liebe an diesem von Gabi Hift gestalteten Installations-Theater-Abend namens “Duras in der Capribar”. Belegschaft und Kundschaft wechseln hier von der temporären Capribar in einen Backsteinschuppen hinter dem Haus. Hier herrscht Gier und lüsterne Sehnsucht in einer Form, die im Kino ein klarer Fall für FSK 18 wäre. Gabi Hift dehnt die einzelnden Sequenzen extrem, um größtmögliche Intimität zu schaffen. Und schafft damit in den Details einen Abend von bemerkenswerter Intensität.

(Capribar, Christinenstr. 36, Mitte. Bis 13. September, Di-So 20 Uhr,Tel. 448 33 04) kap